Sonntag, 3. Dezember 2006

Nachgereicht: Die Brüsselfahrt

Aufgeregt und nicht wirklich ausgeschlafen mache ich mich des Morgens auf.
Der Bus zu spät, der Zug jetzt weg.
Ich fluche derart exzessiv in einer meiner Umgebung fremden Sprache, dass Menschen erschreckt auf mich gucken. Tja..
Derweil sind die Leipziger noch nicht mal da, als ich um fünf nach halb zehn in Erfurt ankomme. Diese Fahrt fängt ja schonmal super an.
Der Bus kommt und es hängt - erfreulicherweise - ein Grüne Jugend Flagge drinnen. Wie schön, wie schön. Wer das wohl gemacht hat? Aber natürlich, es war Johannes aus Sachsen.
Kennen tu ich hier eigentlich niemanden, aber das ändert sich schnell, da ich mich zu Fremden hinsetzten muss, was ich sonst nicht so gerne und selbstverständlich tue.
Und so fließen über acht Stunden Busfahrt auch dahin, begleitet von neuen Menschen, die ich kennenlernen darf, unglaublichen Kreuzschmerzen und dem Schwur, nie wieder eine Busreise mitzumachen.

In Brüssel selbst dürfen wir uns erst einmal einem erlauchten Male widmen, welches in einem hübschen italienischem Restaurant für uns kredenzt wurde. Schon auf dem Weg dorthin fällt mir die seltsam schizophrene Architektur der Stadt auf. Da stehen neben alten wunderschönen Gebäuden moderne Glasbauten als hätten sie dort nichts zu suchen.

Schickes Hotel. Schlaf. Treffen mit FYEG.

Junge Leute, die auf Europaebene arbeiten, bewundere ich immer ein wenig. So verstehe ich Englisch doch weitestgehend flüssig, dennoch fehlt es mir ständig an den Worten, wenn ich selber sprechen möchte. Sie erzählen von ihrer Arbeit - vor allem die unitiy-in-diversity Kampagne erregt meine Aufmerksamkeit. Allerdings wird dies ob der uns begleitenden Schulklasse relativ oberflächlich gehalten.

Danach durften wir gleich durch mehr oder weniger angesichts der amerikanischen Einreisebedingungen lax erscheinende Sicherheitskontrollen in das Europaparlament in Brüssel, wo uns erst Milan Horacek und dann Gisela Kallenbach von ihrer politischen Sozialisierung und ihren derzeitigen Hauptthemen veranschaulichten. So liegt der Focus des ersteren auf den Menschenrechte, worin hingegen zweitere sich derzeit mit einer Aktualisierung der Gesetzgebungen für den Waffenhandel herumschlagen muss und jetzt langsam die Lobbyisten einerseits kennen andererseits zu schätzen, aber auch zu kritisieren lernt. Auf die Frage, wie sie denn zu Bestechlichkeit stünde, gab sie frank und frei zu, Abendessen nicht auszuschlagen, aber auf Geld nie einzugehen.

Nach dem Mittagessen durften wir einen Ausschuss besuchen. Zur Auswahl standen der AFTA-Ausschuss für Auslandsangelegenheiten, welchen ich besuchte, der Geld- und Währungsausschuss und ein Sonderausschuss zu CIA-Angelegenheiten. Abgesehen davon, dass mensch dort hautnah erleben durfte, wie gerade tagesaktuelle Politik gemacht wird, konnten wir auch erkennen, dass die Abgeordneten auch nicht besser organisiert sind als gewöhnliche Vereins- oder Parteisitzungen. So wurde speziell im AFTA-Ausschuss über einen Bericht abgestimmt, bei dem sich im Nachhinein nicht einmal mehr der Sitzungsleiter, welcher auf das Abstimmungsende hinwies, als ihm gesagt wurde, die Mehrheit wisse nun gar nicht, über was sie abgestimmt hätten, sicher, welche Passagen nun letztendlich übernommen wurden und welche nicht.

Daraufhin stürmten wir das Infobüro und deckten uns mit Infomaterial zur EU ein. Leider konnte ich bei den mitreisenden Schülerinnen nur für Gespött sorgen, als ich meinte, dass es unverhältnismäßig wäre, sich Infomaterial in allen Sprachen zu beschaffen, wenn mensch diese nicht einmal spräche; und das dies doch auch im weitesten Sinne gegen die Umwelt ginge, wenn mensch soviel unnützes Papier verschwende.

Danach wiederum erklärte uns ein europäischer Studierendenvertreter die so genannten Bologna-Verträge noch einmal genauer und wies mich persönlich auch auf den interessanten Sachverhalt hin, dass es Studierenden zustünde, in jedem Hochschulgremium, egal wie hoch, mit Stimmrecht vertreten zu sein. (Goebel nimm dich in Acht!)

Nach den angeblich besten Fritten der Stadt erkundeten wir noch deren Nachtleben. Den Magen gefüllt mit Christmas Beer und Pfefferminztee und die Beine angestrengt von einer nächtlichen Stadttour (Wir finden alleine zurück, wir sind doch zu sechst und haben (einen) Plan!) falle ich ins Bett und komme am nächsten Morgen nur schwer wieder aus demselbigen.
Allerdings wartet eine dreistündige alternative und interessante Stadtführung auf uns. Diese will ich hier allerdings nicht schildern, da sie jeder selber machen sollte. Bei diesem Herrn (http://www.woydt.be/index.php) hatten wir das Vergnügen.

Dann ging es auch schon hektisch zurück in den Bus, acht Stunden nach Hause, die Bahn um 5 Euro betrogen, weil ICE von Erfurt nach Weimar gefahren und nicht gezahlt und weiter mit studentischen Belangen. Mensch gönnt sich ja sonst nichts.

In diesem Sinne: Schön wars!

PS: Danke ans Plan-Team (das echte und: Theda, Johannes, Toniwa, Johannes, (peinlich, aber name entfallen))

1 Kommentar:

malte hat gesagt…

Moinmoin,
Schön daß mein Stadtrundgang in Brüssel gefallen hat (und vielen Dank für die Werbung! :-)
Auf ein andernmal!
Malte Woydt